
Die ersten Straßen, die von den Römern angelegt wurden, waren Militärstraßen. Sie sollten die kürzesten Marschwege zwischen den Kastellen schaffen, den Nachschub sichern und besonders im Kriegsfall schnelle Truppenbewegungen ermöglichen. Ein gut ausgebautes Straßennetz war also unabdingbare Voraussetzung für die Organisation, Verwaltung und Versorgung des riesigen römischen Reiches.
An diesen Straßen, die wie Lebensadern das römische Reich durchzogen, entstanden bald neben den Kastellen und Lagern die zugehörigen Dörfer für die Familien der Soldaten, für Handwerker und Händler. Öffentliche Bäder gehörten zu diesen Siedlungen wie Marktplätze und Tempel. Ländliche
Gutshöfe übernahmen die Versorgung mit Lebensmitteln, die teilweise aber auch über die Fernstraßen aus der alten Heimat importiert wurden – Wein, Olivenöl oder gar Austern. Rasthäuser und Pferdewechselstationen am Weg erleichterten die Reise.
Die Tabula Peutingeriana oder auch Peutinger Karte ist die mittelalterliche Kopie einer spätantiken Straßenkarte aus der zweiten Hälfte des 4. Jh. n. Chr. Verzeichnet ist hier eine Verbindungsstraße, die von Vindonissa/Windisch über Tenedo/Bad Zurzach, Iuliomagus/Schleitheim, Brigobannis/Hüfingen, Arae Flaviae/Rottweil und Sumelocenna/Rottenburg bis nach Grinario/Köngen führt. An all diesen Orten, aber auch an den Strecken und Orten dazwischen, traten und treten regelmäßig die Überreste der römischen Besiedlung ans Tageslicht. Sie zeigen mit Kastellen und Lagern, Städten und Dörfern, Tempeln und Grabmälern, öffentlichen Bädern und bäuerlichen Gutshöfen das breite Spektrum römischen Lebens in der obergermanischen Provinz.
Viele der Orte, an denen diese Sehenswürdigkeiten liegen, sind klein und haben nicht die Möglichkeit, mit geringen Mitteln ein breiteres Publikum zu erreichen. So entstand vor 12 Jahren die Idee, diese bereits in der Spätantike existierende Verbindung in einer modernen Touristikstraße wieder aufleben zu lassen. Einheitliche Information und gemeinsame Werbung soll allen Interessierten, ob Alt oder Jung, Einzelreisende oder Familien, die Möglichkeit geben, entlang der durchgängig ausgeschilderten Route unser römisches Erbe zu entdecken.
Die Römerstraße Neckar-Alb-Aare ist gewachsen und überwindet dabei, das ist sicherlich eine Besonderheit, wie in antiker Zeit die Grenzen zwischen dem deutschen Südwesten und der Schweiz. Drei Abschnitte der Römerstraße laden mit verschiedenen Highlights zur Forschungsreise ein.
Römerstraße Neckar-Alb
Der längste und „fundreichste“ Abschnitt beginnt in Köngen, dem antiken Grinario, und führt über Rottenburg - Hauptstadt der Civitas Sumelocennensis - vorbei an Gutshöfen, Kastellen, Thermen und Wasserleitungen bis nach Rottweil, ehemals Arae Flaviae. Highlights an dieser Strecke sind der Römerpark mit Museum in Köngen im Bereich des römischen Kohortenkastells, das Sumelocenna-Museum in Rottenburg, das über einem originalen römischen Stadtausschnitt errichtet wurde. Besonders anschaulich zeigt die 32 m lange, luxuriös ausgestattete Latrine antike Gepflogenheiten. Beeindruckend ist auch das große Freilichtmuseum von Hechingen-Stein, eine große Gutsanlage des 1.-3. Jhs., in dem Teile des Hauptgebäudes, aber auch des Tempelbezirks und verschiedener Wirtschaftsgebäude wiederaufgebaut wurden. Alle zwei Jahre – immer im Wechsel mit dem Rottenburger Römerfest – wird hier im August Geschichte lebendig, wenn römische Legionäre gegen Kelten oder Alamannen kämpfen und Handwerker ihre Künste zeigen. Zentraler Ort an der Römerstraße Neckar-Alb-Aare ist Rottweil – als Municipium Arae Flaviae im durchaus seltenen Besitz römischen Stadtrechts - und das nicht nur durch seine geographische Lage. Hier traf sich die Nord-Süd-Verbindung mit der West-Ost-Achse, die vom Legionslager Straßburg bis an die Donau führte und an dieser Stelle den Neckar überquerte. Neben den außergewöhnlichen Funden, die im Dominikanermuseum in der Abteilung „Römisches Rottweil – Arae Flaviae“ (bis Mai 2011 im Umbau) zu sehen sind, kann das Legionsbad als Freilichtanlage besichtigt werden.
Römerstraße Neckar-Aare
In Rottweil teilt sich die Themenstraße. Die westliche Route führt über Hüfingen – Brigobannis – in die Schweiz nach Schleitheim (Iuliomago), Bad Zurzach (Tenedo) und schließlich zum Legionslager Vindonissa (Windisch).
Eines der ältesten Militärbäder nördlich der Alpen erwartet uns in Hüfingen. Es wurde bereits 1820 ausgegraben und mit einem zwischenzeitlich selbst unter Denkmalschutz stehenden Schutzbau umgeben. Regelmäßig im September wird hier ein großes Römerfest mit Markt gefeiert. In Schleitheim konnte erst vor kurzem ganz in der Nähe des Thermenmuseums der Keller eines römischen Streifenhauses der Öffentlichkeit präsentiert werden. Krönender Abschluss dieser Teilstrecke sind das frisch renovierte Vindonissa-Museum in Brugg und der neu eingerichtete Vindonissapark mit Legionärspfad in Windisch, dem antiken Legionslager Vindonissa (Kanton Aargau). Als Spiel oder auf einer Forschungsreise lässt sich hier die Vergangenheit mit Legionärsrucksack und Audioguide an verschiedenen Stationen erkunden. An jedem ersten Sonntag im Mai feiert das Vindonissa-Museum Römertag in Brugg mit zahlreichen Workshops und Aktionen.

Saisoneröffnung 2010 am Legionärspfad Windisch (Foto: Legionärspfad Windisch).
Römerstraße Neckar-Hochrhein
Die östliche Route führt zunächst nach Wurmlingen, wo Pfostenspuren innerhalb eines Badegebäudes erstmals die Weiternutzung eines römischen Steingebäudes durch die Alamannen bewiesen. Vorbei an Engen-Bargen, wo sich tief in den Wäldern des nördlichen Hegaus unter imposanten Schutthügeln eine gut erhaltene Villa Rustica verbirgt, und an Tengen-Büßlingen – dort sind die Grundmauern eines mit 10 Gebäuden umfangreichen Gutshofs zu sehen – erreichen wir schließlich wiederum die Schweiz. Hier befand sich einst der Ort Tasgetium mit Kastell (in Stein am Rhein/Kanton Schaffhausen) und Vicus (in Eschenz/Kanton Thurgau).
Zwar ist als Touristikstraße die Autostrecke beschildert, aber es gibt natürlich zahlreiche andere Möglichkeiten, den Spuren der Römer zu folgen. Große Teile der Strecke sind innerhalb des Neckartalradwegs erfahrbar. Für romantische Wanderungen bietet sich beispielsweise die Wutachschlucht an. Sogar zu Wasser kann man sich fortbewegen: ob mit dem kleinen Kanu bei Sulz oder in der Gruppe mit Schlauchbooten im Aargau.
Über 10 Jahre nach der Einweihung des ersten Teilstücks im Jahr 2000 hat sich die Römerstraße inzwischen den Staub von den Füßen geschüttelt: das Layout wurde behutsam modernisiert, die umfangreiche, kostenlose Faltkarte neu aufgelegt, ein moderner Internetauftritt wurde gestaltet und seit letztem Jahr ist auch ein handlicher, schön bebilderter Reiseführer zur Römerstraße erhältlich. Ganz neu gibt es in Kürze auch eine „App“ für iPhones zur Römerstraße, die ab April bei den „App Stores“ zum kostenlosen Download bereit steht.
Weitere Informationen erhalten Sie bei der Geschäftsstelle der Römerstraße oder im Internet!
Verein Römerstraße Neckar-Alb-Aare
Geschäftsstelle Rottweil
Telefon 0741 /494 303
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