Verlag Philipp von Zabern


Forscher entdecken neben dem Steinmonument von Stonehenge einen weiteren Kultort

Ein Kreis aus Holz

Tuts Vorkammer
Der 4500 Jahre alte Steinkreis von Stonehenge gehört zum Weltkulturerbe (Foto: Wikimedia/Frédéric Vincent).

Zu sehen ist von „Woodhenge“ heute mit bloßem Auge nichts mehr – auf einem Scannerbild jedoch, das mittels modernster Technik hergestellt wurde, erkennen Archäologen Holzpfosten, die einen Ring mit 25 Meter Durchmesser bilden. Gehörte Stonehenge etwa zu einem regelrechten Zeremonienzentrum – die Wissenschaftler gehen von weiteren Funden aus?

Ganz ohne ein Loch zu graben, haben Archäologen von den Universitäten Birmingham und Wien nun einen spektakulären Fund gemacht: Eine Schwester von Stonehenge aus Holz. Die neue Anlage hat ein Alter von 2000 bis 4000 Jahren und liegt 900 m von dem bekannten Steinkreis entfernt, nahe der englischen Stadt Salisbury. Es handelt sich um einen Kreis von im Scannerbild erkennbaren Vertiefungen, der mehrere tiefe Gruben einfasst. Die Verfärbungen mit einem Durchmesser von 0,7 cm bis 1 m sollen sog. Pfostenlöcher darstellen; ihre Struktur im Boden weißt daraufhin, dass hier einst Holzpfähle in der Erde steckten – rekonstruiert wird eine freistehende Holzkonstruktion. Von dem Baustoff selbst sind heute keine Rückstände mehr erhalten, Spuren seines Abbauprozesses können jedoch mittels feinster Magnetmessung von der Erdoberfläche aus nachgewiesen werden. „Wir haben angenommen, wir hätten nur ein leeres Feld vor uns (...)“, berichtet Vince Gaffney von der Universität Birmingham. Die Forscher sind das Gelände Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer abgefahren. Auf einem Scannerbild der magnetischen Verhältnisse im Untergrund zeichnet sich die ehemalige Struktur deutlich ab.

Die Methode erlaubt eine rasche Erfassung großer Flächen und das ganz ohne Schaufel, also völlig zerstörungsfrei. Experten um Wolfgang Neubauer, Direktor des neuen Ludwig Boltzmann Instituts (LBI) für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien, wollen in den nächsten vier Jahren eine Fläche von 14 km² rund um Stonehenge erforschen und gehen davon aus, dass sie die Stonehenge-Stätte um weitere Funde ergänzen können.

 

Eine Bilderstrecke mit Aufnahmen von den bei Stonehenege tätigen Archäologen und einer Rekonstruktion der Kultstätte aus Holz finden Sie hier!

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