Verlag Philipp von Zabern


Die Zeichnungen des Jean-Baptiste Lepère

Mit Napoleon in Ägypten

Tuts Vorkammer
Innenansicht des Tempels von Philae/Ägypten (Scan: Manfred Heyde)

Eine faszinierende Reise in das Ägypten zur Zeit Napoleons. Die Vorlagen der berühmten »Description de l´Égypte« aus einem Kölner Archiv. Erstmals gezeigt – Originalzeichnungen, die selbst der Fachwelt noch unbekannt sind.

Das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln zeigt ab dem 2. Oktober 2009 in einer Sonderausstellung Zeichnungen des Architekten und Altertumsforschers Jean-Baptiste Lepère. In der Graphischen Sammlung befindet sich ein Schatz von rund 500 Blättern, der zwei Jahrhunderte im Verborgenen ruhte und nun zum ersten Mal ausgestellt wird. Fundstü-cke aus dem alten Ägypten, Exponate aus der Zeit Napoleons und eine moderne historische Dokumentation ergänzen die Präsentation.

Als General Bonaparte 1798 zu seinem Ägypten-Feldzug aufbricht, begleiten ihn nicht nur Soldaten, sondern auch viele Wissenschaftler. Sie haben den Auftrag das fremde Land zu erforschen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden in einem Monumentalwerk, der Description de l’Égypte, in mehreren Bänden veröffentlicht. Die Veröffentlichung des ersten Bandes jährt sich in nun 200. Mal.

Jean-Baptiste Lepère (1761 – 1844) begleitet die „Expedition“ und wird zu ihrem wichtigsten Architekturzeichner. Neben Entwürfen für das moderne Ägypten faszinieren den Künstler vor allem die Hinterlassenschaften des alten Ägypten: Tempel, Skulpturen und fremdartige Schriftzeichen zeugen vom einstigen Glanz der Pharaonenzeit. Lepère zeichnet mit Leiden-schaft und Hingabe, obwohl die Bedingungen keinesfalls einfach sind. Die Hitze macht den Wissenschaftlern zu schaffen, sie stehen unter Zeitdruck, hinzu kommt die ständige Angst vor feindlichen Angriffen. Dennoch beschreibt Lepère die Zeit in Ägypten als „die schönste Zeit“ seines Lebens. Er zeichnet die Tempel von z.B. Karnak, Edfu, Philae und Denderah mit bestechender Präzision. Teile, die verschüttet oder zerstört sind, ist er bemüht zu rekonstruieren. Noch heute sind diese frühen Aufnahmen von hohem wissenschaftlichem Wert. Damals bildeten sie die Grundlage für eine erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ägypten. In den Jahren, die auf die „Expedition“ folgten, gab es geradezu einen Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphen. Die Zeichen, deren Bedeutung Lepère noch gänzlich fremd waren, wurden 1822 von einem jungen Franzosen namens Jean-François Champolli-on entschlüsselt. Nun war der Weg geebnet die Geheimnisse dieser antiken Hochkultur zu entdecken. Die Wissenschaft der Ägyptologie war geboren und die Forscher nachfolgender Generationen profitierten von den unschätzbaren Mühen der „Expedition“.

- B. Derichs –

Jean-Baptiste Lepère dokumentierte Ägyptens Schätze vor 200 Jahren. Seine Zeichnungen waren für die Forschung stets von unschätzbarem Wert. Heute dokumentieren sie auch jene Zeugnisse, die seit ihrer Entdeckung verloren gingen – sei es durch Zerstörung, sei es durch den Einfluss des Menschen auf die Artefakte. „Verloren“ sind auch die prachtvollen Malereien aus den Gräbern Thebens – sie sind der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Wiedergebracht hat sie uns der italienische Starfotograf Sandro Vannini, der hier über die Schwierigkeiten eines unglaublichen Projekts berichtet.