Verlag Philipp von Zabern


Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn

Franziskus – Licht aus Assisi

Tuts Vorkammer
Der hl. Franziskus und Frau Armut, Malerei (Ausschnitt) im Vierungsgewölbe der Unterkirche von San Francesco, Assisi, um 1320. Foto: © Stefan Diller 1982-2001 ASSISI.DE – Stefan Diller

Erstmals seit 30 Jahren widmet sich im deutschsprachigen Raum wieder eine Ausstellung einem der bedeutendsten Heiligen des Mittelalters – Franziskus von Assisi. Der Sohn eines reichen Tuchhändlers wählte ein Leben in gottgefälliger Armut und inspiriert durch sein Leben und Wirken über die Jahrhunderte hinweg bis heute.

Paderborn, der Ort, wo sich der nachmalige Karl der Große und Papst Leo III. 799 n. Chr. zu einer durchaus weltgeschichtlich bedeutsamen Unterredung trafen, überrascht immer wieder mit herausragenden Sonderausstellungen zu mittelalterlichen Themen. Noch bis zum 6. Mai 2012 zeigt das Erzbischöfliche Diözesanmuseum nun unter dem Titel «Franziskus – Licht aus Assisi» eine große kunst- und kulturhistorische Ausstellung über das Leben und Wirken des großen Kirchenmannes (1181/82–1226), der als Sohn eines reichen Tuchhändlers geboren wurde. Mit einigem Stolz verweisen die Paderborner darauf, dass mit dieser Ausstellung erstmals seit 30 Jahren wieder die Person des Heiligen im deutschsprachigen Raum gewürdigt werde. Ergänzt wird die Ausstellung im Diözesanmuseum durch mehrere Exponate im Franziskanerkloster der Stadt sowie eine zeitgenössische großformatige Filminstallation in der Innenstadt. Die Paderborner Ausstellung gliedert sich in insgesamt 14 thematische Einheiten, die unterschiedliche Aspekte zu einem gelungenen Ganzen zusammenfügen.

Franziskus von Assisi zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Heiligen des Mittelalters. Freiwillige Besitzlosigkeit, Demut und Fürsorge gegenüber den Mitmenschen waren die herausragenden Motive seines Tuns und Strebens, mit dem er durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder Menschen inspiriert hat. Für ihn persönlich führte sein Streben nach vollkommener Armut zwangsläufig zum Bruch mit seinem Vater, der ihn 1206 sogar vor das Gericht des Bischofs von Assisi zitierte, weil er Waren und Geld aus dem väterlichen Geschäft verschenkt hatte.

 

Die Ausstellung – Einzigartige Exponate internationaler Leihgeber

Am Anfang stehen, gleichsam als namensgebende Protagonisten, Franziskus und Klara von Assisi (1193–1253) und ihr Leben im Umfeld der wirtschaftlich prosperierenden Städte Mittelitaliens zu Beginn des 13. Jhs. Der Wirkungsgeschichte der Orden in Mittelalter und Neuzeit bis zur Aufhebung vieler Konvente im Gefolge der Säkularisation wird in der Ausstellung gebührender Platz eingeräumt. Lebensbilder bedeutender Heiliger, wie etwa Antonius von Padua, Berthold von Regensburg und Elisabeth von Thüringen, spiegeln zentrale Leitmotive franziskanischer Spiritualität wider. Insgesamt sind in der Paderborner Ausstellung rund 200 Exponate, Gemälde, liturgisches Gerät, Handschriften, Skulpturen und anderes mehr aus renommierten deutschen und europäischen Sammlungen zu sehen. So zählen zu den Leihgebern etwa der Louvre, das Nationalmuseum Kopenhagen, die Pinacoteca Vaticana und das Museo di Roma. Auch das Museo del Tesoro della Basilica di San Francesco Assisi und die Biblioteca Medicea Laurenziana Florenz haben Exponate nach Westfalen geschickt. Die Staatsbibliothek und das Kunstgewerbemuseum Berlin sind ebenso mit wertvollen Stücken vertreten wie das Bayerische Nationalmuseum München und die Domschatzkammer zu Köln. Überdies haben auch mehrere Konvente, wie Altötting, Füssen, Eichstätt und Luzern, aus ihrem Fundus Exponate beigesteuert, die bisher noch nie außerhalb der Klostermauern gezeigt worden sind. Gerätschaften und Gebrauchsgegenstände, Modelle und Dokumente geben einen eindrucksvollen Überblick über den Tagesablauf in den Ordensgemeinschaften.

Bei der Vielzahl sakraler Kunstschätze fällt es schwer, besondere Stücke hervorzuheben. Aber zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt sicherlich eine der ersten Darstellungen des Heiligen Franziskus von Margaritone d‘Arezzo aus dem 13. Jh. Zu nennen sind auch zwei Tafelbilder von Fra Angelico, dazu Meisterwerke aus dem Barock von Peter Paul Rubens sowie herrlich illuminierte Handschriften, wie die Legende des Heiligen Franziskus nach Bonaventura.

Hl. Franziskus, Tafelbild von Margaritone d
Hl. Franziskus, Tafelbild von Margaritone d'Arezzo, 2. Hälfte 13. Jh., Vatikan, Pinacoteca Vaticana. Foto: Archivio Fotografico dei Musei Vaticani © Musei Vaticani.

Auch aus Assisi sind einige Exponate in der Paderstadt vertreten: So Kelch und Patene des Heiligen, die ihm, so die Überlieferung, ein Priester geschenkt hat, sowie ein Brevier, das er vielleicht sogar selbst benutzt hat. Erstmals in Deutschland werden auch Fragmente der beim Erdbeben im Jahr 1997 beschädigten Gewölbemalereien aus der Kirche von San Francesco in Assisi ausgestellt. Die Grabeskirche des Heiligen ist im Innern mit Fresken der bedeutendsten Maler des 14. Jhs. geschmückt.

Basilika San Frencesco Basilika San Frencesco in Assisi, Grablegungskirche des hl. Franziskus von Assisi. Foto: Berthold Werner, Wikimedia Commons.

Die sakralen Exponate der Ausstellung im Diözesanmuseum werden ergänzt durch sechs Installationen des Schriftkünstlers Brody Neuenschwander. Darunter findet sich auch die Arbeit «Man in the Habit», die anschaulich das franziskanische Ordensgewand und seine Symbolik erläutert. Für eine Installation zum berühmten Sonnengesang des Franziskus hat der Künstler die Originalhandschrift des Heiligen rekonstruiert.

 

Die Franziskaner heute

Abgerundet wird die lohnende Sonderschau durch die Ausstellungseinheit «Unser Kloster ist die Welt» im Franziskanerkloster Paderborn. Sie dokumentiert das Engagement der franziskanischen Gemeinschaften in Kirche und Gesellschaft vom 19. Jh. bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt dieses Themenbereiches stehen franziskanische Lebensentwürfe im Spannungsfeld zwischen Industrialisierung und Globalisierung und einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft.                                 

Dr. Peter Kracht

 


 

Ausstellungsinformation

 

«Franziskus – Licht aus Assisi»
9. Dezember 2011 – 6. Mai 2012

Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn
Markt 17
33098 Paderborn

Tel. 05251/125-1400
Fax 05251/125-1495
E-Mail: museum@erzbistum-paderborn.de
Internet: www.dioezesanmuseum-paderborn.de

Öffnungszeiten Diözesanmuseum: Di–So 10.00 bis 18.00 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20.00 Uhr.

 

Franziskanerkloster Paderborn
Westernstraße 19
33098 Paderborn
Tel. 05251/20190

Öffnungszeiten Franziskanerkloster: Di–Sa 10.00–12.00 Uhr, 14.30–17.30 Uhr; So 14.30–17.30 Uhr

 

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, in dem renommierte Wissenschaftler sich des Themas annehmen. Überdies wird ein breites Begleitprogramm mit Vorträgen und Sonderführungen angeboten.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter
http://www.dioezesanmuseum-paderborn.de/franziskus-ausstellung